Mit 25:25 (11:13) trennt sich die SG Überruhr vom Kettwiger SV im mit großer Spannung erwarteten Spitzenspiel und Lokalderby.

Die Jungs von der Ruhrhalbinsel fanden nicht gut in die Partie, Kettwig lag schnell mit 2:5 in Front. Der SGÜ gelang zwar immer wieder der Ausgleich (8:8, 10:10), aber der KSV war in Durchgang eins cleverer, effizienter und in der Defensive kompakter als die heimische SGÜ.

Timo Kohl und Jan Schiffmann, Neuzugänge der Kettwiger, haben die Essener im ersten Durchgang immer vor große Probleme gestellt. Im zweiten Abschnitt kam noch Spielertrainer Marvin Leisen auf die Platte und erzielte sechs Treffer für den immer in Führung liegenden Gast aus dem Essener Süden.

Doch was die 130 zugelassenen Zuschauer in der Klapperhalle vor allem erlebten, war eines: Eine sich nie aufgebende SG Überruhr, die, je länger das Spiel andauerte, auch immer öfter spielerische Lösungen fand. Neu dabei war Jakob Liedtke, der nach 40 Minuten den hart arbeitenden Lars Kürten am Kreis ablöste und mit zwei wichtigen Treffern dafür sorgte, dass sich die Gäste nie sicher fühlen konnten. Überruhr, mit vermeintlich mehr Luft und Alternativen auf der Auswechselbank, kam immer wieder, gesteuert vom starken Philipp Pöter als Spielmacher, auf einen Treffer heran, konnte aber im zweiten Durchgang nie den Ausgleich erzielen.

„Es war ein Spiel auf Augenhöhe mit dem etwas glücklicheren Ende für uns da wir gefühlt nie richtig herankamen“, resümierte Florian Lepper, der mit sechs Treffern neben Pöter bester SGÜ-Werfer war. Lepper, der mit seiner Mannschaft über die „komplette zweite Halbzeit einem Zwei-Tore-Rückstand hinterher“ lief, war mit dem Punkt zufrieden: „Wir haben Wille und Kampfgeist bewiesen, sodass wir den einen Punkt gerne mitnehmen. Nach der Coronapause war es schön wieder mit Zuschauern im Rücken zu spielen, vor allem in einem so intensiven Spiel“, so der Rückraumspieler weiter.

Übrigens: 47 Minuten dauerte es, bis das Schiedsrichtergespann im Lokalderby die erste Zeitstrafe aussprach. Das Spiel war über 60 Minuten lang hart, aber stets fair. Was der Handball in Essen auf Verbandsliganiveau zu bieten hat, war an diesem Samstagabend packend, ein wahrer Thriller der in den Schlusssekunden seinen Höhepunkt fand. Nur irgendwie ohne Höhepunkt. Aber der Reihe nach. Kettwig vergab in seinen letzten Angriffen nahezu jeden Wurf, auch dank eines gut aufgelegten Christian Ridders im Tor.
So war es Timo Kohl, der 5 1/2 Minuten vor Schluss das letzte Tor für die Gäste erzielte und auf 23:25 erhöhte. Thomas Eller lenkte in Unterzahl mit all seiner Erfahrung den Ball aus spitzem Winkel an Kettwigs Schlussmann vorbei und verkürzte auf 24:25. Der KSV scheiterte wieder an Ridder, Überruhr, mit einem technischen Fehler, verlor den Ball wieder an die Gäste. 120 Sekunden vor Schluss trug Kettwig wieder einmal einen Angriff vor, hielt lange den Ball und fand keine Lücke in der gut agierenden, etwas offensiveren Deckung.
Florian Lepper nahm sich daraufhin das Spielgerät und traf mit etwas Glück zum 25:25 Ausgleich, da waren noch 90 Sekunden zu spielen. Gleiches Bild wie in den KSV-Angriffsbemühungen zuvor – eine lange Ballphase der Gäste endete mit einem Fehlversuch. Überruhrs Coach Sebastian Vogel legte die letzte grüne Karte auf den Tisch und bereitete mit seiner Mannschaft 25 Sekunden vor Spielende den letzten Angriff vor. Wenige Sekunden vor Schluss bekam die SGÜ einen Freiwurf zugesprochen, die Kettwiger eine Zeitstrafe. Überzahl, noch 5 Sekunden zu spielen, ein Wurf war noch möglich. Die 130 Zuschauer hielten die Luft an, beobachteten den Ballhalter an der Freiwurflinie. Der Pfiff ertönte, ein Pass zu Florian Lepper, Wurf – gehalten von Alexander Pütter. Das Spiel endete 25:25. Eine gerechte Punkteteilung, die SGÜ war am Ende cleverer und souveräner als der KSV, der nie hinten lag und dennoch nicht gewinnen konnte.

Für die SG Überruhr spielten:
Ridder, Sieberin – Lepper, Pöter (je 6), Eller (3), Liedtke, Thomas, Kürten, Sodys (je 2), Vetterlein, van der Heuvel (je 1), Birkenstock, Mund.